FieldMesh – ein einfacher Weg zu kleinen Off-Grid-Netzen mit MeshCore
Auf Festivals oder bei Outdoor-Aktivitäten zeigt sich schnell, wie abhängig Gruppen von funktionierender Mobilfunk-Infrastruktur sind. Sobald Netze überlastet sind, wird selbst einfache Abstimmung schwierig. Genau aus diesem praktischen Problem heraus ist FieldMesh entstanden.
Warum ich mich überhaupt damit beschäftigt habe
Ich besuche gerne größere Festivals wie Rock im Park oder das NOVA-Rock. Auf dem Festivalgelände ist das Mobilfunknetz meist jedoch so überlastet das keine Kommunikation mit der Gruppe möglich ist.
Wer sich mit autarker Kommunikation beschäftigt, landet oft bei Meshtastic. Hierbei handelt es sich um ein Mesh-Netzwerk: Eine Technik, die es ermöglicht, Textnachrichten und GPS-Standorte direkt von Gerät zu Gerät zu schicken – völlig unabhängig von Handymasten, Satelliten oder dem Internet.
Die Stärke von Meshtastic liegt klar in kleinen, spontanen Ad-hoc-Netzen – genau das, was man in solchen Situationen braucht.
Das Problem ist aber, dass man die Hardware nicht nur in Off-Grid-Szenarien nutzt. Wenn man sie einmal hat, will man sie auch im Alltag einsetzen – zu Hause, in der Stadt oder zwischen nahegelegenen Orten.
Und genau da hat es für mich nicht mehr gut funktioniert. Das Netzwerk wird schnell sehr voll, es werden viele Telemetriedaten gesendet und die eigentliche Kommunikation wird unzuverlässiger.
Meshtastic funktioniert also gut für kleine, lokale Setups, passt für mich aber nicht wirklich in den Alltag.
Dann stieß ich auf MeshCore. Es ist minimalistisch, stabil und schnell. Doch im Feld merkte ich: Ein paar Dinge fehlen oder sind umständlich. Deshalb habe ich FieldMesh ins Leben gerufen – einen MeshCore-Fork, der genau dort ansetzt, worauf es in Outdoor Situationen ankommt .
Die Philosophie: Effizienz statt Funk-Chaos
Der größte Unterschied zwischen Meshtastic und MeshCore ist die Art, wie Nachrichten verbreitet werden. Bei Meshtastic leitet standardmäßig jedes Gerät jedes Paket weiter. Das klingt gut, führt aber bei vielen Nutzern zu massivem „Spam“ und Kollisionen auf dem Funkband.
MeshCore verfolgt einen anderen Ansatz: Nur ausgewählte Nodes fungieren als Repeater. Das hält das Netz extrem sauber und effizient.
Wo MeshCore für mich nicht gereicht hat
MeshCore ist stark, wenn Infrastruktur vorhanden ist.
Aber sobald man komplett ohne Repeater unterwegs ist, wird es schnell umständlich.
Mit der Einführung von Client Repeat, hier wiederholen alle im Netz befindlichen Geräte eine Nachricht, war zwar die technische Grundlage da, um genau solche kleinen, lokalen Netze aufzubauen – aber die Nutzung war alles andere als praktisch. Frequenzen wechseln, Parameter anpassen, Werte merken – nichts davon funktioniert gut „mal eben schnell im Feld“.
Der eigentliche Ansatz von FieldMesh
Die ursprüngliche Idee war deshalb simpel:
Ein Preset, das genau diesen Anwendungsfall abdeckt.
Also ein schneller Wechsel in ein lokales Off-Grid-Netz, ohne manuell konfigurieren zu müssen.
Und vor allem: so einfach, dass man Geräte auch an Leute geben kann, die sich mit dem Thema gar nicht auskennen.
Dieser Off-Grid-Modus nutzt eine andere Funkfrequenz als das bestehende Netz weshalb hier weniger Wert auf Airtime gelegt werden muss.
Daraus ist FieldMesh entstanden.
Mit der Zeit sind weitere Funktionen dazugekommen, die alle auf genau diesen Anwendungsfall ausgerichtet sind – kleine, lokale Netze, die ohne viel Setup funktionieren.
Die Features im Detail
GPS Tracking & Auto-Advert (Ruhe im Netz)
MeshCore sendet von sich aus eigentlich gar keine Telemetrie-Daten, um die Airtime für Textnachrichten frei zu halten. FieldMesh bewahrt diese Netzhygiene, automatisiert aber das Nötigste für die Gruppe:
Die Tracking-Page: Berechnet die Distanz zu deinen Favoriten direkt auf dem Node per Haversine-Formel. Kontakte werden farblich markiert (Grün < 5 Min.).
Intelligentes Advert: Dein Node schickt alle 5 Minuten automatisch seine Position.
Der Clou: Wir nutzen ein Hop-Limit von 0 (Zero-Hop). Während Meshtastic-Positionen oft über mehrere Hops das gesamte Netzwerk belasten, erreicht FieldMesh nur die Freunde in direkter Funkreichweite. Das schont die Airtime massiv, gibt deiner Gruppe aber die nötige Sicherheit.
Der Off-Grid Modus (Vom Client zum Repeater)
Das ist das Herzstück von FieldMesh. Ich habe die „Client Repeat“-Logik von MeshCore genommen und sie für den echten Einsatz „off-the-grid“ optimiert. Wenn du im Wald merkst, dass die Verbindung deiner Gruppe abreißt, brauchst du sofort einen Repeater – ohne langes Menü-Gefummel.
FieldMesh bietet dafür einen One-Press Toggle:
Automatischer Repeater: Mit einem Klick wechselt deine Node in den Client-Repeat Modus, so bleiben alle Nodes in diesem Modus miteinander verbunden. Unabhängig von Repeatern.
Rechtssichere Frequenzen: In der EU nutzt FieldMesh dafür das g1-Subband (869.4625 MHz / SF11). Das ist legal, bietet 10% Duty Cycle und hat einen 62 kHz Offset zum Standard-Mesh. So baust du ein eigenes Funk-Feld auf, ohne das Haupt-Netzwerk zu stören.
Nahtloser Wechsel: Deine normalen Funk-Parameter werden im Hintergrund gespeichert. Schaltest du den Off-Grid-Modus aus, ist dein Node sofort wieder im ursprünglichen Mesh, ohne dass du etwas neu konfigurieren musst.
SOS-System mit Hardware-Alarm
Ein Feature, das man hoffentlich nie braucht, das im Ernstfall aber den entscheidenden Unterschied macht, ist das integrierte SOS-System. Ein digitaler Notruf bringt nämlich wenig, wenn er nur als lautlose Nachricht auf einem Handy erscheint, das tief im Rucksack vergraben ist.
Zweistufige Sicherung: Um Fehlalarme zu vermeiden, ist die Auslösung geschützt. Ein langer Druck auf der SOS-Seite öffnet eine Bestätigung, bevor das Signal wirklich rausgeht.
Buzzer-Alarm & Koordinate: FieldMesh sucht automatisch nach einem Kanal namens „sos“ und sendet dort einen
!SOS-Befehl inklusive deiner aktuellen GPS-Koordinaten.Sicherheit, die man hört: Empfangende Geräte zeigen nicht nur den Namen des Senders, sondern lösen einen Hardware-Buzzer-Alarm aus. Dieser Alarm loopt so lange, bis er am Gerät manuell quittiert wird. So wird ein Notruf auch in lauten Umgebungen oder bei Wind garantiert bemerkt.
Einordnung
FieldMesh ist kein durchgeplantes Produkt, sondern aus einem konkreten Bedarf entstanden und Schritt für Schritt gewachsen.
Ich bin kein Entwickler und habe das Ganze aus persönlichem Interesse umgesetzt. Entsprechend ist der aktuelle Stand eher pragmatisch:
Einige Dinge sind noch fest im Code definiert, und die Unterstützung für Geräte ist begrenzt, einfach weil mir nicht mehr Hardware zur Verfügung steht.
GitHub & Ausblick
Wer sich das Projekt anschauen oder ausprobieren möchte:
https://github.com/TogeriX-hub/FieldMesh
Ich freue mich über Feedback, Ideen oder Erfahrungen aus der Praxis.
Als nächste Schritte schaue ich mir aktuell vor allem an:
Verbesserungen der Nachrichtenansicht
mögliche flexiblere Off-Grid-Konfiguration der voreingestellten Frequenzen (EU/US)
Inspiration durch bestehende Custom Firmware (z. B. Wio Tracker L1)
FieldMesh ist aus einem konkreten Problem entstanden – und entwickelt sich entsprechend weiter.